Gedanken zum Mohammed-Karikaturenstreit
Von U. Dierssen
Es ist schon faszinierend zu sehen, wie Scharen von Menschen sich auf einmal empören, wenn es um Karikaturen des Propheten Mohammed geht. Fragen tue ich mich allerdings, warum sie nicht aufgeschrieen hatten, als es jede Menge Karikaturen über Jesus gab, den die Muslime ja ebenfalls achten, der nach den Aussagen des Korans sogar höher geachtet werden müsste als Mohammed! Hier schwieg die »Meute«, die selber heute bereit ist, die religiösen Gefühle anderer zu verletzen. Das, was auch in meinen Augen verwerflich ist, scheint für manche nur für andere zu gelten, aber nicht für sich selbst!
Dies macht mir eigentlich deutlich, dass nicht die Religion die Basis der Ausschreitung ist, sondern eine Macht, die versucht, die Welt zu destabilisieren. Und Religionsführer, die zu Gewalt aufrufen oder sogar ein Kopfgeld ausschreiben, blasen in das gleiche gottlose Horn. Ist Gott denn ein Anführer von Terroristen und Meuchelmördern? Wie klein muss doch dieser Gott sein! Ein Gott, der nicht in der Lage ist, selber einzugreifen, ein Gott, der den Terror benötigt, um in dieser Welt etwas darzustellen.
Und Mohammed? Er wird durch das Gebaren dieser fanatisierten Menschen selber zum Terroristen, zum Verbrecher degradiert! Seinem Leben nachzufolgen, um so vielleicht doch einen Platz im Paradies zu ergattern, ist doch vielfach Ziel dieser Menschen. Wenn nun geistliche Führer zu Mord und Gewalt aufrufen, wie sehr verachten sie dadurch doch ihren eigenen Propheten! Und wieviel mehr verachten sie ebenfalls ihren eigenen Gott!
Bizarr ist da auch die Geschichte des Religionsführer, der Kinder mit einem Plastikschlüssel um den Hals in Minenfelder schickte. Diese Plastikschlüssel sollten den Zugang zum Paradies symbolisieren, wenn diese Kinder dann im »Heiligen Krieg« starben. Aus Deutschland ist uns solche Fanatisierung der Kinder ebenfalls bekannt. Schaut man sich den Film »Die Brücke« an, dann gibt es einen kleinen Einblick in das Leben dieser so genannten »Helden«, die noch in den letzten Kriegstagen ihr Leben im fanatischen Widerstand für ihren Führer gaben, ohne jegliche Hoffnung auf Erfolg. Ebenfalls zeigt der Film »Der Untergang« in ergreifender Weise, wie die Familie Goebbels in dieser Gedankenwelt ihre eigenen Kinder ermordeten. Wer nicht an den lebendigen Gott glaubt, der muss scheinbar so handeln.
Aber hat Gott nicht etwas anderes mit dieser Welt vor? Eigentlich sollte Frieden und Leben in der Gegenwart Gottes das Ziel sein. Aber bereits zu Beginn der Zeiten kam die Trennung von Gott, die erst in Jesus wieder überwunden wurde. Er hat den Zugang zu Gott wieder geöffnet und ihm gilt es nachzueifern. Jesus hat den Soldaten nicht abgelehnt, aber er hat das Morden mit Waffengewalt abgelehnt! Durch Jesus ist kein Mensch gestorben, nur durch jene, die sich anmaßten, in seinem Namen Kriege zu führen, um letztlich ihre eigene Macht zu stärken.
Was hat die ganze Mission mit dem Schwert gebracht? Zweifelsohne gab es dadurch eine Menge Kirchensteuerzahler mehr, aber genauso jede Menge, die im Katholizismus ihre alten Götzendienste in Marien- und Heiligenverehrung in die Kirche brachten und im Protestantismus jede Menge Aberglauben und heidnische Praktiken. Ein gleiches Bild zeigt sich allerdings auch im Islam, der durch Mission mit dem Schwert mit einer ähnlichen Problematik zu kämpfen hat.
Eigentlich sind Islam und Christentum garnicht so weit auseinander. Manchmal denke ich, wenn Mohammed hätte lesen können, dann wäre uns vieles erspart geblieben. Dann hätte er gemerkt, wie sehr sich die Kirche in seinem Umfeld von der klaren biblischen Lehre entfernt hat. Vielleicht hätte er dann auch zur Liebe Gottes gefunden, die zwar die Sünde nicht liebt, aber dafür den Sünder! Ich selber muss zugeben, dass ich nicht an eine göttliche Offenbarung an Mohammed glaube. Aber hatte er denn eine Chance, zu unterscheiden? Vielleicht begann durch ihn bereits die Vorbereitung für das Ende der Welt!
Gott möchte, dass der Mensch von seinem gewalttätigen Weg umkehrt und wieder zurückfindet zur Liebe Gottes. Aber da, wo der Mensch versucht, durch Handlungen sich selbst zu erlösen oder die Problematik seiner Schuld einfach bei Seite tut, der wird immer offen sein für Gewalt.
Aber Christen und Muslime müssen zu dem von Gott geoffenbarten Gedanken finden, dass alles menschliche Tun und Handeln nicht zur Erlösung führen kann. Gott selbst hat den Weg geöffnet, indem er sich selbst als Sündlosen in Christus geopfert hat. Die gewaltige Größe der Liebe Gottes wird hier dadurch deutlich, dass er sich selbst klein gemacht hat und in der Auferstehung von den Toten auch die letzte Großmacht besiegt hat: das Anrecht des Satans auf den Sünder! Wer dann im Licht dieser Liebe noch zu Gewalt und Terror aufruft, der kann nicht von Gott sein! Die Welt verändern, dass kann nur Gott in seiner Macht.
Aber wenn die Welt sich jetzt wieder am Rande das Abgrundes befindet, dann zeigt dieses eigentlich nur auf, dass sich die Verheißungen der Bibel erfüllen werden. Die Welt wird destabilisiert werden, Krieg und Terror wird es überall geben und letztendlich wird diese Welt in einer Katastrophe enden. Aber über dem allen ist Gott doch Sieger. Gottes Wort berichtet uns von einer Neuschöpfung, in der die Menschen, die die Erlösung Gottes angenommen haben, in der Gegenwart Gottes Leben dürfen.
Aus dieser Perspektive heraus brauchen wir nicht so wild gegen die Atompläne des Irans zu sein. Auch wenn diese eine Atombombe bauen und sie zum Einsatz bringen oder wenn Terroristen die Welt durch atomare, biologische oder chemische Waffen unbewohnbar machen, eines können sie nicht verhinder: Gott ist und bleibt Sieger und wird von diesen das Blut der Opfer fordern!
Wir Christen dürfen eigentlich ganz gelassen in die Zukunft schauen, tuen es aber nicht. Auch wir sind eingebunden in ein System aus Hass, Neid und Menschenverachtung. Dabei sollte uns Gottes Liebe zu Dankbarkeit führen, die sich nicht nur gegenüber Gott zeigt, sondern auch gegenüber dem, was dieser geschaffen hat. Diese Liebe sollte uns zu verantwortlichem Umgang mit den Ressourcen dieser Erde führen und ebenfalls zur Achtung der Menschen, die Gott ebenfalls geschaffen hat. Wer nun meint, er könne alles für sich mit Beschlag belegen oder der meint, er müsse für Gott hier in dieser Welt »Randale« machen, der offenbart dadurch eigentlich nur seine Gottlosigkeit.
In der Geschichte haben Christentum und Islam eines gemeinsam erlebt: Die meisten wirklichen Anhänger bekamen sie durch den friedvollen Kontakt zu Andersgläubigen. Krieg und Unterdrückung haben zwar die Zahlen der »Gläubigen« erhöht, letztlich aber so viel von heidnischen Praktiken in die Religion gebracht. Und das sollte sowohl Christen als auch Muslimen zu denken geben!
Ich für mich selber habe eigentlich wenig Angst vor der Zukunft, da ich mich in den Händen Gottes geborgen weiss. Aber eines muss ich doch noch sagen, doch leider geht dieses nur in Englisch: »I don't fear the african bush as much as the american!«