Gedanken zum 11. September

Von U. Dierssen

Nun liegen die Anschläge auf die Wirtschaftsmacht USA bereits zwei Jahre zurück. Dazwischen liegt eine Zeit des Nachdenkens, aber auch eine Zeit der »göttlichen« Gewaltverherrlichung. Mir persönlich dreht sich immer der Magen um, wenn ein Herr Bush von einem »göttlichen Krieg« spricht, wobei er, der sich selbst Christ nennt, es eigentlich besser wissen müsste!

Zweifelsohne waren diese Terroranschläge schrecklich genug. Aber es regen sich doch immer mehr Zweifel an der Urheberschaft der Anschläge. Immer mehr Bücher von Verschwörungstheoretikern erscheinen. Mit häufig fadenscheinigen Argumenten versuchen diese nachzuweisen, dass die Urheberschaft dieser Anschläge in den USA zu finden sind. Aber genauso häufig antworten die Gegner dieser Theoretiker mit ebenso fadenscheinigen Argumenten.

Fragen werden sicherlich auch weiter offen bleiben. Kamen die Anschläge ebenso aus den USA, wie die Anschläge mit den Anthraxbriefen? Mich würde es nicht wundern, wenn irgendein Verschwörungstheoretiker nachweisen würde, dass in irgendeiner luxuriösen Einrichtung der USA am Rande eines Swimmingpools Osama Bin Laden, Saddam Hussein und Beamte des CIA (vielleicht sogar zusammen mit George W. Bush) gemeinsam ihre Coke schlürfen würden. Destabilisierungspakt wird sich so etwas sicherlich nennen, zugunsten der Industriemagnaten der USA!

Aber dieses ist nicht mein zentrales Problem. Der darauf folgende Krieg ist meine Problem. Kampf dem Terrorismus ist sicherlich eine richtige Sache, aber müsste da die USA sich nicht selbst bekämpfen? Terrorismus scheint immer nur dann schlecht zu sein, wenn es gegen die eigenen Interessen geht. Aber wieviel Blut klebt an den Fingern des CIA oder der anderen geheimdienstlichen Organisationen auch der westlichen Welt?

Probleme habe ich, wenn ein sich zum Christentum bekennender Präsident einen Krieg vom Zaune bricht, und das ohne UN-Mandat. 1945 hieß dieses noch, einen Angriffskrieg zu führen und diverse Menschen wurden dafür durch Gerichtsurteile hingerichtet! Im Anblick dieser Situation beginne ich mich wirklich zu fragen, ob rechtsgerichtete Kräfte nicht doch Recht haben, wenn sie von einer Siegerwillkürjustiz sprechen. Diesem kann ich trotzdem nicht zustimmen, denn schuldig waren die deutschen Politiker damals, sowohl Verführer als auch Verführte! Nur: sind die Angriffskrieg führenden Politiker heute unschuldiger?

Nach dem Ende des kalten Krieges war endlich die Hoffnung auf eine friedliche Welt vorhanden. Es bestand endlich die Hoffnung, dass man die vielen Rüstungsgelder in Entwícklungsprojekte stecken konnte, um den Hunger der Welt zu lindern. Stattdessen schaffte man sich aber einfach neue Feindbilder und die Rüstungsausgaben wurden fleißig verpulvert – und die Armen der Welt hungern weiter.

Afghanistan konnte man ja noch einigermaßen verstehen. Aber der Irakkrieg? Je mehr deutlich wird, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen hat (manchmal hatte ich gedacht, dass man notfalls noch welche nach dem Krieg in den Irak schaffen würde, um etwas vorzuweisen), je mehr deutlich wird, dass Geheimdienstberichte gefälscht oder aufgebauscht wurden (jetzt sieht man, wo die eigentlichen Terroristen sitzen), desto mehr frage ich mich, was die wirklichen Ursachen des Krieges sind. Geht es um das Öl? Geht es um die Destabilisierung einer Region?

Von dem Präsidenten George W. Bush hätte ich eigentlich mehr Courage erwartet, nicht nur vom christlichen Glauben zu reden, sondern auch danach zu handeln! Das Wesen eines Christen sollte sein, Christus immer ähnlicher zu werden. Aber hat Christus jemals einen Menschen getötet oder den Auftrag dazu gegeben? Er hat geboten, das Schwert wieder einzustecken! Hat George W. Bush seine Bibel nicht gelesen? Oder wurde er von Gottlosen verführt? Vielleicht wollte er ja auch nur nicht so enden, wie John F. Kennedy?

Das Dilemma in dem wir jetzt stecken ist, dass die offenen Türen, die wir als christliche Missionare bei Moslems in Deutschland hatten, nun verschlossen sind. Der Islam hat sich wieder auf sich selbst besonnen und die Alternative des Friedens und des Heils in Christus ist nicht mehr! Vielmehr sieht der Moslem nun im Christen wieder den potentiell gottlosen Kreuzritter! Eine Region wurde destabilisiert und der Terror geht weiter. Menschen, die auf ewig verloren sind, weil sie sich der Gnade Gottes verschlossen haben, gehen nun auf das Konto derer, die meinten, im Namen des Christentums einen Krieg anzetteln zu müssen.

Wenn ich nun an den 11. September 2001 zurück denke, dann kann ich immer nur für die Opfer und deren Angehörige beten aber auch genauso dafür, dass auch die Drahtzieher dieser Anschläge ihren Wahnsinn erkennen und von ihrem verdorbenen, gottlosen Weg umkehren! Ich wünsche mir, dass der Präsident der Vereinigten Staaten zum lebendigen Glauben an Jesus Christus findet und so auch für den Rest der Welt zu einem Zeugnis für die Liebe Gottes zur Welt, die wir in Jesus Christus haben, wird. Rache ist keine Antwort! Diese wäre eher eine Antwort des Moslems aus dem Gesetz der Wüste entspringend. Aber sogar Muslime verabscheuten das fürchterliche Geschehen des 11. Septembers!

Friede auf Erden, so wie wir es uns jedes Jahr zu Weihnachten wünschen, wird es wohl vorläufig nicht geben. Vielmehr scheinen sich die Prophezeiungen der Offenbarung der Bibel immer mehr zu erfüllen. Der Weg wird bereitet für die Wiederkunft Christi, vorher aber noch für das Erscheinen des Antichristen, der vorher noch viele zur Gottlosigkeit verführen wird.

Wenn wir uns nun am 11. September wieder an die Geschehnisse des Jahres 2001 erinnern, dann wollen wir aber auch als »Weltbürger jeglicher Religion« zusammenstehen und uns gemeinsam gegen Hass und Gewalt wenden. Gerade als Christen haben wir diesen Auftrag. Wenn es aber nun die Heiden sind, die uns die Gewaltlosigkeit des Christentums vorleben (siehe Mahatma Ghandi), dann ist es nur blamabel für uns! Christus lehrte uns, zuerst auf unser eigenes Versagen zu schauen, sich mit Vergebung beschenken zu lassen und so in Frieden auf unseren Nächsten zuzugehen. Jesus speiste mit den Zöllnern und Sündern, vergab der Ehebrecherin und demütigte sich selbst unter der Tortur seiner Feinde. Er ließ Gott handeln.

Frieden für unser Leben können auch wir nur dann haben, wenn wir bereit sind, unsere eigenen Vorteile Gott hinzulegen und darauf vertrauen, dass er das Beste daraus machen wird. Stolz hat da keinen Raum mehr. Es mag sein, dass wir Anfangs als Verlierer aussehen, aber der Psalmist sagte ja bereits: »Herr, lehre uns auf das Ende schauen«. Und die christliche Kirche hat das römische Reich nicht durch Gewalt überwunden, sondern durch das Leiden der vielen Märtyrer, die sich der Gewaltlosigkeit verschrieben hatten, und in den Arenen des römischen Reiches ermordet wurden.